„Sehr spannende Unternehmen am Markt“

15. Juni 2026
Private Equity. In den kommenden Jahren stehen in Österreich viele Unternehmensnachfolgen und -übergaben an. Private Beteiligungsgesellschaften investieren zunehmend in den Mittelstand.
Von Patrick Dax
Nicht nur am Arbeitsmarkt werden sich in den kommenden Jahren Tausende Babyboomer in die Pension verabschieden. Auch Gründer, die ihre Firmen vor 30 Jahren oder mehr gegründet haben, ziehen sich zunehmend aus dem Erwerbsleben zurück. Tausende Unternehmen könnten in den kommenden Jahren vor der Übergabe stehen oder bereiten Nachfolgeregelungen vor. Beteiligungsgesellschaften können dabei eine wichtige Rolle einnehmen.
„Das Thema hat in den vergangenen Jahren verstärkt Fahrt aufgenommen. Es gibt sehr spannende Unternehmen am Markt“, sagt Christoph Hikes, Finanzchef der Invest AG. Das Private-Equity-Unternehmen ist seit seiner Gründung auf Beteiligungen in mittelständische Betriebe spezialisiert. Zuletzt stieg man etwa beim oberösterreichischen Werkzeugbauer Scheinecker oder beim deutschen Verpackungshersteller Rolf Bayer ein und half bei Nachfolgelösungen mit.
Breites Spektrum
Das Spektrum der Engagements reicht von Minderheits- bis zu Mehrheitsbeteiligungen, kann aber auch Mischformen zwischen Eigen- und Fremdkapital umfassen. „Wir stecken mit den Unternehmen die Zielsetzungen genau ab. Auf dieser Basis strukturieren wir das Investment“, sagt Hikes. „Jede Transaktion ist sehr individuell und sehr unterschiedlich.“
Die Investments der Invest AG bewegen sich typischerweise im Bereich zwischen 5 Mio. und 15 Mio. Euro. Aus dem operativen Tagesgeschäft hält man sich weitgehend heraus. Netzwerke und Kontakte bringt man aber sehr wohl ein. Man sehe sich als Sparringpartner, sagt Hikes. Üblicherweise bleibt die Invest AG zwischen sechs und zehn Jahren im Unternehmen. Es sei auch schon vorgekommen, dass man Beteiligungen 20 Jahre lang gehalten habe.
Zum Anstieg der Private-Equity-Investments in Österreich habe neben Nachfolgethemen auch hineingespielt, dass es bei klassischen Bankfinanzierungen, die im Mittelstand die Regel waren, enger geworden sei, sagt der auf Mergers & Acquisitions spezialisierte Anwalt Rainer Kaspar von PHH Rechtsanwält:innen. Private-Equity-Geld sei eine willkommene Lösung aus dieser Finanzierungsklemme.
Transformationsdruck
Eine Rolle spiele auch der Transformationsdruck, der gerade auf den Mittelstand zukomme. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) bringen einen großen Kapitalbedarf mit sich, der gedeckt werden müsse. Dazu komme, dass Investoren nicht nur Geld, sondern professionelle Unterstützung beim Wachstum einbringen. Private Equity sei in Österreich im Vergleich zu vielen anderen Ländern deutlich unterentwickelt, sagt Invest-AG-CFO Hikes. Österreichische Fonds, die in dem Bereich aktiv seien, könne man an einer Hand abzählen, ergänzt Anwalt Kaspar. Um ein attraktives Umfeld für Investoren zu schaffen, sei zu wenig getan worden. Dazu komme, dass die Regulatorik zunehme.
Privates Beteiligungskapital biete mittelständischen Unternehmen auch die Möglichkeit, sich zu internationalisieren und zu konsolidieren, sagt Kaspar. Durch gezielte Zukäufe kleinerer, branchenähnlicher Unternehmen könne die Geschäftstätigkeit erweitert werden und Marktmacht aufgebaut und Skaleneffekte genutzt werden. So könnten Synergien gehoben werden, die man vielleicht brauche, um künftig überlebensfähig zu sein.

